QNC GmbH nutzt IBM Watson Knowledge Studio und IBM Watson Discovery, um Kundenanfragen in bis zu 45 Rechtsbereichen automatisiert mit einer Wissensdatenbank aus 180.000 zuvor beantworteten Fragen abzugleichen. Die durchschnittliche Antwortzeit liegt bei unter einer Stunde, die Recherchezeit sinkt um 40 Prozent. Über 60 Mandanten pro Stunde nutzen die Plattform, die für eine monatliche Flatrate von 80 Euro insbesondere kleinen Unternehmen Zugang zu einem Netzwerk von über 1.000 Anwälten verschafft. Die Lösung ist seit 2017 im produktiven Einsatz.
KI-gestützte Prüfungsdokumentation beschleunigt Wirtschaftsprüfung bei Dornbach
XactAudit automatisiert zentrale Aufgaben des Prüfungsprozesses wie Risikobewertung, Prozesserfassung und Kontrollbeurteilung mithilfe von KI-gestützter Automatisierung und liefert Prüfteams in Echtzeit strukturierte Einblicke. Die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Dornbach setzt das Tool laut eigener Aussage bereits im ersten Nutzungsjahr bei mehr als 15 ihrer Prüfungskunden ein. Managing Partner Christian Koch berichtet, dass Dornbach dadurch 20 bis 30 Prozent schneller bei Erfassung, Analyse und Verständnis der Prozesse, Risiken und Kontrollen ihrer Mandanten ist. Die Dokumentation und Klarheit der Prüfungsstrategie wurde laut Dornbach auf ein neues Niveau gehoben.
Adaptive Lernassistenz für Steuerkanzleien (SmaLeTax)
Träger ist der Steuerberaterverband im Lande Bremen e.V., technischer Entwicklungspartner die Neusta Analytics & Insights GmbH, gefördert über die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales im Rahmen der KI-Strategie der Bundesregierung. Das System sammelt während des Lernprozesses fortlaufend Daten zum Lernverhalten und verbessert die Empfehlungen iterativ, wodurch sich laut Anbieter auch große Lerngruppen skalieren lassen. Aktuell laufen Pilotvorhaben, die eine Übertragung des Ansatzes auf andere Themen und Branchen testen sollen, konkrete Ergebniszahlen zur Lerneffizienz nennt die Quelle bislang nicht.
JPMorgan Chase COiN: Automatisierte Vertragsanalyse spart 360.000 Arbeitsstunden
Ausgangslage war die manuelle, sehr zeitintensive Durchsicht komplexer Darlehensverträge durch Anwälte und Kreditsachbearbeiter, die zudem menschliche Fehlerquellen barg. JPMorgan entwickelte dafür intern die Machine-Learning-Plattform COiN, die auf der bankeigenen Cloud-Infrastruktur läuft und Vertragsdokumente automatisch analysiert, relevante Klauseln extrahiert und Abweichungen erkennt. Die Software wurde bereits 2013 eingeführt und ist seither fester Bestandteil der Abläufe im gewerblichen Kreditgeschäft. Voraussetzung waren große Mengen historischer Vertragsdaten zum Training der Modelle sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Technologie- und Rechtsabteilung. Ergebnis laut Bloomberg-Bericht: Einsparung von etwa 360.000 Arbeitsstunden pro Jahr und eine Reduzierung von Fehlern bei der Vertragsauslegung. Das Modell ist auf andere dokumentenintensive Bereiche wie Derivate- oder Verwahrverträge übertragbar und diente als Blueprint für spätere Legal-Tech-Initiativen in der Finanzbranche.
A&O Shearman und Harvey: Agentische KI für komplexe juristische Workflows
A&O Shearman setzte bereits seit 2022 unternehmensweit generative KI ein und entwickelte 2023 das eigene Tool ContractMatrix; im April 2025 folgte die nächste Stufe mit agentischen KI-Agenten in Kooperation mit dem Legal-AI-Startup Harvey. Diese Agenten übernehmen mehrstufige juristische Workflows – etwa Antitrust-Filing-Analysen, Cybersecurity-Bewertungen, Fondsstrukturierung und Darlehensprüfungen – indem sie Dokumente analysieren, recherchieren und komplexe Fragestellungen in nachvollziehbare Arbeitsschritte zerlegen. Voraussetzung war der jahrelange Aufbau interner KI-Kompetenz sowie ein Governance-Rahmen mit menschlicher Freigabe der Ergebnisse. Die Kanzlei plant, die Agenten nicht nur intern zu nutzen, sondern auch als Abo- bzw. nutzungsbasiertes Produkt an Unternehmen, andere Kanzleien und Finanzdienstleister zu vermarkten. Das Modell zeigt, wie generative KI von reiner Dokumentenerstellung zu eigenständiger Aufgabenbearbeitung in der Rechtsberatung übergeht und ist grundsätzlich auf andere große Kanzleien mit vergleichbarer Datenbasis übertragbar.