KI-Übersetzung amtlicher Texte in Leichte Sprache für Behörden

Das Münchner Start-up hat ein eigenes Sprachmodell für Leichte Sprache trainiert, das Bescheide, Formulare und Webinhalte automatisiert vereinfacht, statt manuelle Übersetzungsprozesse zu nutzen, die bislang Tage dauern konnten. Für die Leichte-Sprache-Lösung erhielt SUMM AI 2024 den Sonderpreis für Start-ups beim Innovationspreis Bayern.

KI-Agentenplattform automatisiert Compliance-Marketing für Bauerfeind und Cepheid

Marketingteams in regulierten Branchen wie Gesundheitswesen, Pharma und Medizintechnik benötigen oft Monate, um Kampagnen durch Compliance-Prüfungen zu bringen. Die 2024 gegründete Caidera nutzt moderne KI-Agentenarchitekturen und NLP mit mehrstufiger Verarbeitung, um Kampagnen über mehrere Kanäle automatisiert und mit vollständiger Nachverfolgbarkeit von Aussagen und Quellen zu erstellen. Als Kunden werden u. a. die Orthopädietechnik-Firma Bauerfeind und der Diagnostikkonzern Cepheid genannt; ein vollständig produktiver Einsatz bei diesen Kunden ist laut Quelle nicht abschließend belegt, die Plattform befindet sich in der Pilotphase.

KI-Übersetzung für technische Wasserstoff-Inhalte bei HIC Hydrogen

Das Hydrogen Innovation Center Chemnitz (HIC Hydrogen gGmbH) musste technisches Wissen zu industriellen Wasserstofflösungen europaweit in mehreren Sprachen verbreiten und benötigte dafür Sicherheit, dass KI-Übersetzung komplexe Fachterminologie fehlerfrei beherrscht. Das Mittelstand-Digital Zentrum Chemnitz führte eine Validierungsstudie durch, in der verschiedene KI-Übersetzungsanbieter anhand messbarer Qualitätskriterien für Fachtexte verglichen wurden, u. a. für Ungarisch und Portugiesisch, mit Prüfung durch Muttersprachler. Die gewählte KI-Übersetzungslösung eines deutschen Anbieters erlaubt zudem die Einbindung firmeneigener Terminologie über Glossare, wodurch wiederkehrende Übersetzungsfehler vermieden werden.

Gebärdensprach-Avatar für digitale Barrierefreiheit im Bundesministerium

Der Avatar von alangu übersetzt Video- und Textinhalte automatisiert in Deutsche Gebärdensprache und stellt sie als Video auf der Website des BMDS bereit. Damit wird gehörlosen und gebärdensprachkompetenten Bürger:innen ein besserer Zugang zu Verwaltungsinformationen ermöglicht. Die Lösung basiert auf dem Gebärdensprach-Avatar-Baukasten (GSAB), den alangu bereits bei über 185 Kunden im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes einsetzt. Für das BMDS ist es der erste Einsatz in einem Bundesministerium und dient als Vorbild für weitere Behörden.

KI-gestützte Content-Standardisierung bei Siemens Healthineers

Rund 270 Autor:innen bei Siemens Healthineers prüfen mit Acrolinx jährlich über 5 Millionen Wörter auf Konsistenz von Terminologie, Markennamen und Stil. Die Software gibt in Echtzeit KI-gestütztes Feedback zu Sprache und Styleguide-Konformität. Dadurch verkürzte sich der Content-Überarbeitungsprozess von drei Wochen auf zwei Tage. Seit 2021 wird das System zusätzlich zur Prüfung von UI-Strings in Software-Inhalten eingesetzt.

KI-Personal-Shopper und automatisierte Produktbeschreibungen bei Central Retail

Die Lösung umfasst den Chatbot „Chefbot“ auf Basis von Gemini, Vertex AI Search für visuelle Produktsuche sowie automatisiert generierte, zweisprachige (Thai/Englisch) Produktbeschreibungen, die 50 Prozent schneller erstellt werden. Dank Gemini Flash verkürzte sich die Ausrollzeit neuer KI-Funktionen von 6 auf 2 Monate. Zusätzlich analysiert ein Self-Service-Sentiment-Chatbot jährlich über 1 Million Kundenrückmeldungen automatisch. Der Fall zeigt anschaulich, wie generative KI im Einzelhandel Kundenerlebnis und interne Effizienz gleichzeitig verbessern kann.

Generative KI-Suche für Ferienhäuser bei Marriott (Homes & Villas)

Ausgangslage war eine unübersichtliche, filterbasierte Suche über ein sehr großes und heterogenes Angebot an Ferienunterkünften, die die Kaufabsicht der Reisenden nur unzureichend abbildete. Gemeinsam mit dem Dienstleister Publicis Sapient entwickelte Marriott ein natürlichsprachliches Suchtool auf Basis von GPT-Large-Language-Modellen über den Azure OpenAI Service, das freitextliche Beschreibungen von Reisewünschen in passende Objektempfehlungen übersetzt. Die Umsetzung erfolgte in nur drei Monaten statt der für vergleichbare Projekte üblichen rund zwölf Monate. Voraussetzung waren strukturierte Objektdaten sowie die Cloud-/LLM-Infrastruktur von Microsoft Azure. Ergebnis: über 40.000 Suchanfragen und eine Verdopplung der Nutzer, die Objekte speichern, was auf höheres Engagement und potenziell mehr Buchungen hindeutet. Das Konzept lässt sich auf andere Buchungsplattformen mit großem, beschreibungsintensivem Angebot übertragen.

Generative KI verwandelt fossiles Museumsexponat in Social-Media-Star (Experience Abu Dhabi / WPP)

Für die Eröffnung des Natural History Museum Abu Dhabi sollte ein statisches Fossil-Exponat – ein 67 Millionen Jahre alter T-Rex – für ein jüngeres, social-media-affines Publikum relevant gemacht werden, in einem Umfeld, in dem Unterhaltungsinhalte um Aufmerksamkeit konkurrieren. Die WPP-Agenturen Ogilvy Paris (AI.Lab) und Memac Ogilvy setzten Googles Video-Generierungsmodell Veo 3.1 ein, um den Fossilfund in einen ‚KI-ncient Influencer‘ mit eigener Persönlichkeit zu verwandeln und Social-Listening-Erkenntnisse sowie kulturelle Insights in die Content-Erstellung einzubeziehen. Voraussetzung waren Zugriff auf generative Video-KI-Tools, kreative Konzeption durch spezialisierte KI-Kreativteams sowie eine Social-Listening-Infrastruktur zur Trendauswertung. Ergebnisse: 50 Millionen Videoaufrufe insgesamt, 83.800 Interaktionen, die erfolgreichsten Posts erzielten allein 23,66 Millionen Aufrufe und 40.700 Interaktionen, bei 95,9 Prozent positiver oder neutraler Publikumsstimmung. Der Ansatz zeigt, wie generative Video-KI statische Marken- oder Kulturassets in dynamische, virale Digitalpersönlichkeiten verwandeln kann, und ist auf Museen, Tourismus- und Kulturmarketing sowie Konsumgütermarken übertragbar.

Automatische Interview-Transkription mit OpenAI Whisper spart Schibsted-Journalist:innen tausende Arbeitsstunden

Bei der norwegisch-schwedischen Mediengruppe Schibsted stellte das manuelle Abtippen von Interviewaufnahmen eine erhebliche operative Ineffizienz im Redaktionsalltag dar. Ein internes Team implementierte das Spracherkennungsmodell Whisper von OpenAI, das Audioaufnahmen automatisch in Text umwandelt, und baute darauf eine leicht zugängliche Web- und mobile Anwendung für die gesamte Redaktion. Voraussetzung waren der Zugang zu einem leistungsfähigen Open-Source-Spracherkennungsmodell sowie interne Entwicklungsressourcen für die Nutzeroberfläche. Innerhalb von nur zwei Monaten nach Einführung sparte das Tool den Journalist:innen mehr als 3.000 Arbeitsstunden ein. Aufbauend auf dem Erfolg identifizierte Schibsted in bereichsübergreifenden Workshops 37 weitere mögliche KI-Anwendungsfälle in der Redaktion. Der Fall zeigt, dass das gezielte Matching bekannter KI-Fähigkeiten mit konkreten, alltäglichen Pain Points schnelle, messbare Produktivitätsgewinne ermöglicht, und ist auf jede Redaktion oder Kommunikationsabteilung mit hohem Interview- und Recherche-Aufkommen übertragbar.

KI-Sprachsynthese macht Zeitungsartikel bei Schibsted/Aftenposten hörbar und steigert Engagement

Schibsted News Media wollte die Zeit, die Leser:innen mit journalistischen Inhalten verbringen, erhöhen und jüngere, stärker audiovisuell geprägte Zielgruppen ansprechen, in einem Umfeld, in dem Video- und Audioplattformen um Aufmerksamkeit konkurrieren. Das Unternehmen implementierte die KI-Text-to-Speech-Technologie von BeyondWords und ließ dafür eine eigene, an die Podcast-Moderatorin Anne Lindholm angelehnte KI-Stimme entwickeln, um für die norwegische Leitpublikation Aftenposten nicht nur Podcasts, sondern auch einzelne Artikel als Audioversion anzubieten. Voraussetzung waren eine Text-to-Speech-Plattform mit Custom-Voice-Fähigkeit sowie redaktionelle Integration in den Publishing-Workflow. Ergebnisse: Audioartikel erreichten eine Abschlussquote von 58 Prozent, deutlich über typischen Leseraten; nach einigen Monaten erreichte die Audioartikel-Nutzung das Niveau der Podcast-Nutzung; 92 Prozent der norwegischen Lehrkräfte berichteten von Schüler:innen mit Leseschwierigkeiten, wodurch die Audiofunktion auch zur Abo-Bindung beitrug (13 Prozent der Abo-Kündigungen werden durch Zeitmangel begründet). Schibsted rollte daraufhin weitere KI-Stimmen für norwegische und schwedische Marken aus. Übertragbar auf alle Medienhäuser, die Reichweite bei zeitknappen oder leseschwachen Zielgruppen ausbauen wollen.