JPMorgan Chase COiN: Automatisierte Vertragsanalyse spart 360.000 Arbeitsstunden
JPMorgan musste jährlich rund 12.000 neue gewerbliche Kreditverträge manuell durch Juristen und Kreditsachbearbeiter prüfen lassen, was fehleranfällig und zeitaufwendig war. Mit der selbst entwickelten Machine-Learning-Software COiN (Contract Intelligence) werden Vertragsklauseln in Sekunden statt in rund 360.000 Personenstunden pro Jahr extrahiert und geprüft. Ergebnis: massive Zeitersparnis und weniger Interpretationsfehler bei der Kreditvergabe.
Vertiefung
Ausgangslage war die manuelle, sehr zeitintensive Durchsicht komplexer Darlehensverträge durch Anwälte und Kreditsachbearbeiter, die zudem menschliche Fehlerquellen barg. JPMorgan entwickelte dafür intern die Machine-Learning-Plattform COiN, die auf der bankeigenen Cloud-Infrastruktur läuft und Vertragsdokumente automatisch analysiert, relevante Klauseln extrahiert und Abweichungen erkennt. Die Software wurde bereits 2013 eingeführt und ist seither fester Bestandteil der Abläufe im gewerblichen Kreditgeschäft. Voraussetzung waren große Mengen historischer Vertragsdaten zum Training der Modelle sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Technologie- und Rechtsabteilung. Ergebnis laut Bloomberg-Bericht: Einsparung von etwa 360.000 Arbeitsstunden pro Jahr und eine Reduzierung von Fehlern bei der Vertragsauslegung. Das Modell ist auf andere dokumentenintensive Bereiche wie Derivate- oder Verwahrverträge übertragbar und diente als Blueprint für spätere Legal-Tech-Initiativen in der Finanzbranche.